EXPECTED ENCOUNTERS

Ein abgelegenes, verschneites Waldgebiet in Nordostfinnland wird als Experimentierfeld gedacht, um sich mit den möglichen Erwartungshaltungen zu beschäftigen, mit denen wir uns dem – anfänglich – noch Unbekannten annähern. Diese Annäherung an den Wald als Gebiet, als Lebensraum und organisch Gewachsenes aber auch als Projektionsfläche für kulturell geprägte Vorstellungen geschah in einem zeitlichen Rahmen von vier Wochen während einer artist-residence durch wiederholte Schneeschuhwanderungen mit einer relativ unberechenbaren Plastiksofortbildkamera; also aus der körperlichen Erfahrung und aus der fotografischen Praxis heraus.
Der scheinbaren Unmittelbarkeit der visuellen Wahrnehmung wird dabei ein Verständnis des Sehens als imaginative und interpretative Leistung entgegengesetzt, das in der Materialität der Sofortbilder von Schneeanhäufungen, die auch als Skulpturen oder Waldbewohner gelesen werden könnten, eine formale sowie sinnliche Entsprechung findet. Aus der Vermischung von Selbstbeobachtung, Medienreflexion und pseudowissenschaftlichem Vorgehen entsteht eine situative Analyse, in der die Künstlerin selbst, aber auch die Kamera, das verwendete Filmmaterial, die Wetterverhältnisse und der Schnee zu mitwirkenden, eigenständigen Charakteren werden, deren Verhältnis zueinander humorvoll ausgelotet wird.

Im Format der Installation wird das in Finnland Vorgefundene, Gesehene, Empfundene und davon Abgeleitete in Bezug zueinander gesetzt, so entsteht auf eine abstrakte Weise die Rekonstruktion eines Erfahrungsraumes, aber auch eine Reflexion des künstlerischen Arbeitsprozesses selbst.