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Die Entwicklung des Flecks
Die Entwicklung des Flecks

Einem Transporteur fiel beim Ausladen ein Kübel weißer Dispersionsfarbe vom Lastwagen, der Kübel platzte auf und hinterließ Farbspritzer auf Gehsteig und Plakatwand. Ein Malheur, gleichzeitig ein Kunstwerk, das seine eigene Entstehungsgeschichte mitabbildete, denn Fußspuren verwiesen auf seinen Schöpfer. Diese Geschichte fungiert hier als Metapher für einen essenziellen Teil von Forschungsprozessen, der in Geschichtsschreibungen meistens eher beiläufig erwähnt wird - das Unbeabsichtigte.

Die Montage erzählt von der Transformation des zufälligen Ereignisses zum erkannten Endprodukt, aber auch von den produktiven Kräften, die im Unbeabsichtigten liegen können. Während die kleinformatigen Einzelbilder die Genese des Flecks andeuten, zeigt die Montage die Adelung zum Erkenntnisprodukt; das Einsetzen des belichteten Negativs in ein größeres, blank entwickeltes plus das Zurechtrücken und Geradestellen spiegeln diese Metamorphose wider. In der Montage auf Passpartoutkarton, die formal auf die Ästhetik wissenschaftlicher Wandtafeln verweist, treffen Bild und Text aufeinander und beschreiben, dokumentieren, kommentieren und interpretieren gemeinsam in Form einer Bildgeschichte den Fleck und seine Transformation mittels Analyse und Interpretation.