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Verarbeiten als Methode. Ein Statement zur künstlerischen Arbeit

Wenn Sie mich fragten, in welche Kategorie ich meine künstlerische Arbeit einordnen würde, dann wäre meine Antwort: in der Grauzone zwischen erweiterter Fotografie und fotografischer Forschung. Es handelt sich um eine konzeptuelle, analytische, aber auch humorvolle Beschäftigung mit der Fotografie als Medium des Erfassens und des Begreifens, als Werkzeug zum Erkenntnisgewinn.

Im Speziellen sind dabei das imaginative Potential, das in fotografischen Bildern enthalten ist, und das Repräsentationsdilemma, welches die Fotografie seit ihrer Erfindung begleitet, von Bedeutung für die Entwicklung meiner Arbeiten. Die Grundspannung, die zwischen diesen beiden entgegengesetzten Polen entsteht – zum Beispiel zwischen Dokumentation und Fiktion oder Objektivität und Subjektivität – und der Fotografie eine seltsame Ungreifbarkeit verleiht, versuche ich in meinen Arbeiten sichtbar zu machen und somit das Wesen der Fotografie an die Oberfläche zu holen. Die Reflexion des Mediums passiert aus der angewandten Praxis heraus sowie durch die Beobachtung meiner Arbeitsprozesse. Die Fotografien, die ich im Rahmen meiner fiktiven Forschungsprozesse produziere, sind als Arbeitsmaterialien zu verstehen, die im Laufe dieser Vorgehensweise einer visuellen, medienreflexiven sowie poetischen Analyse unterzogen werden, was ich mit dem Begriff processing (deutsch: verarbeiten) umschreiben möchte.

Neben der Fotografie selbst ist für mich auch die sprachliche Auseinandersetz- ung mit dem Medium zu einem Werkzeug geworden, um Aspekte des Fotografischen zu untersuchen und deren mögliche Zustände festzuhalten (ähnlich dem Wechsel eines Elements zwischen seinen möglichen Aggregatzuständen). Das Schreiben funktioniert dabei wie eine Annäherung über die Entfernung – es schafft eine produktive Distanz und eröffnet einen Freiraum für ein erweitertes Verständnis des Mediums abseits der klassischen Diskurse. Die Endresultate können in Einzelbildern, Serien oder in Buchform, installativ, filmisch oder objekthaft ausfallen. Dabei folge ich keinen vordefinierten Regeln, sondern versuche aus dem Arbeitsprozess formale Konsequenzen zu ziehen.

Claudia Rohrauer, 2016